Die acht Stufen des Raja-Yoga °°Yoga°°

Mir gefällt besonders am Yoga, dass vieles so bildhaft erklärt wird. Dazu gehört auch eine meiner Hausaufgaben für das nächste Ausbildungswochenende:

die achtblättrige Blüte des Yoga: Asthanga-Yoga

Patanjali hat in seinem Yoga Sutra die acht Stufen des Yoga beschrieben und diese mit einer Pflanze verglichen. Dieser Teil vom Ende des zweiten Kapitels bis zum Beginn des dritten Kapitels sind der bekannteste Teil seines Werkes.

Die Wurzeln bilden die Yamas (Sanskrit: Enthaltung, Selbstkontrolle). Sie sind die großen und ewigen Gebote, die für alle Menschen unabhängig von Kultur, Zeit, Religion oder Hautfarbe gelten. Entsprechungen finden sich in allen Religionen - zum Beispiel im Christentum die 10 Gebote. Im Yoga beziehen sie sich vor allem auf die innere Haltung, auf das Denken und Fühlen. Zu den Yamas gehören:

  • Ahimsa = die Gewaltlosigkeit und zwar körperlich, in Worten und in Gedanken. Ich glaube, dazu muss ich irgendwann nochmal einen ausführlichen Post schreiben, das interessiert mich sehr!
  • Satyya = die Wahrheit oder Wahrhaftigkeit, die zu Authentizität führt 
  • Asteya = Nicht stehlen, nicht neiden - also die Rechte anderer respektieren und ihm seinen Besitz nicht nehmen oder neiden
  • Brahmancharya = sexuelle Enthaltsamkeit, wörtlich übersetzt ist Brahmancharya das Verhalten, was zum Absoluten/ Göttlichen führt
  • Aparigraha = Begierdelosigkeit oder Unbestechlichkeit, also das Nicht-Annehmen von Geschenken
Der Stamm der Pflanze ist Niyama (Sanskrit: Verhaltensregeln). Diese Regeln beziehen sich auf den Umgang mit mir selbst, auf Disziplin und Hingabe und beschreiben den spirituellen Weg zur inneren Reinheit. In den Niyamas vertieft sich die Yogapraxis. Die Niyamas sind:

  • Shaucha = die Reinheit im materiellen, körperlichen und seelischen Sinn. Diese Reinheit ergibt sich aus den 5 Yamas und wird auch durch die rituellen Reinigungstechniken erreicht. Dabei ist aber wichtig, dass es nicht reicht, einfach irgendwelche Reinigungstechniken aus zu führen - ich muss dabei die Yamas leben und auch innerlich rein werden.
  • Santosha = die Zufriedenheit. Ich bin. Mehr muss nicht, mehr braucht nicht. Ich gehe mit einem inneren Lächeln durch die Welt und bin von nichts getrieben.
  • Tapas = Eifer und Askese. Hier ist die intensive spirituelle Praxis gemeint und die Selbsterziehung auf dem Weg zum Absoluten 
  • Svadhyaya = Erforschung des selbst, Studium der spirituellen Schriften, Reflexion über mich selbst. Das hat zum Ziel, dass ich insgesamt bewußter werde.
  • Ishvara pranidhana = Hingabe an den persönlichen Gott (das höhere Selbst, Atman oder Paraatman, das kosmische Selbst, das Göttliche). Ishvara pranidhana ist die Essenz des Bhakti-Yoga und zusammen mit Tapas und Svadhyaya Teil des Kriya-Yoga nach Patanjali (also dem Yoga der Tat, der von jedem praktiziert werden kann)

Diese zwei ersten Punkte sind schon allein eine wahnsinnige Aufgabe, finde ich! Mein Lehrer hat gesagt: "Wenn die Du die Yamas und Niyamas wirklich lebst, dann bist Du rein und authentisch." Da hab ich noch was zu tun!

Das Geäst der Pflanze sind die Asanas oder Körperstellungen. Für viele (westliche) Menschen scheinen die Asanas Yoga zu sein. Hier zeigt sich, dass Yoga noch viel mehr ist und die Übungen allein nie der Weg des Yoga sein können - kein Geäst kann ohne Stamm, Rinde, Wurzeln sein. 

Die Blätter der Pflanze ist das Pranayama, die Atemkontrolle oder Atemübungen. 

Pratyara (= Zurückziehen der Sinne z.B. in Shavasana) ist die Rinde, die zusammen mit den Asanas und Pranayama die drei äußeren Glieder beschreiben.

Die inneren Glieder des Raja-Yoga sind:

Dharana, die Konzentration, die Patanjali als den Saft der Pflanze bezeichnet. Hier geht es darum, sich zu sammeln und präsent zu sein. Diese Willensschulung führt dazu, dass ich nicht mehr träumend durch die Gegend renne, sondern bewusst einen Fokus setzen kann.

Dhyana, die Blüte, ist die Meditation, die aus der Konzentration entsteht.

Die Früchte der Pflanze heißen nach Patanjali Samadi und sind der Einheitszustand, die Erleuchtung oder höchste Erkenntnis. Samadi bezeichnet einen Bewusstseinszustand, der über Wachen, Träumen und Tiefschlaf hinausgeht und sich aus der Meditation ergibt. 

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