Barfuß oder ohne Schuhe? Warum ich barfuß laufe ***nachhaltig leben***

Es begab sich einmal zur Weihnachtszeit, da tanzte eine junge Frau barfuß in der Disko...

Die junge Frau war ich. Es handelte sich um die Weihnachstfeier der Firma, für die ich damals in Köln gearbeitet habe. Wir waren schick essen und danach sind wir noch um die Häuser gezogen. Und da gab es -wie so oft - den Moment, wo mich meine Schuhe drückten. Der perfekte Vorwand, sie endlich aus zu ziehen.

Denn ich habe Schuhe schon immer ungern angezogen. Nein, das ist so nicht wahr, ich mag Schuhe. Aber ich finde es toll, barfuß zu laufen! Ich finde es befreiend. Ich mag es, den Boden unter meinen Füßen zu spüren. Ich laufe bewusster.

Und jetzt? Habe ich einen kleinen Sohn, der mir wieder einen tollen Vorwand gibt, barfuß zu laufen. Denn Kinder lieben das. IMMER! Und ich? Ich laufe mit. Lasse die Schuhe bewusst daheim, wenn ich mich auf den Weg mache, ihn vom Kindergarten ab zu holen.

Ja, die Leute gucken. Und wie! Ich werde angesprochen. Anscheinend kitzele ich damit in den Köpfen meiner Mitmenschen was los.. was denn bloß? Ist es vielleicht der Neid auf diese Freiheit und Unbeschwertheit? Oder das eigene Unvermögen, mal etwas nicht so zu machen, wie "man das so macht"? Oder Vorurteile und falscher Ekel?

Ich lebe in einem kleinen Dorf, hier hat es keine Scherben, Hundehaufen oder sonstigen Müll auf der Straße - die Verletzungsgefahr ist also gering. Ganz im Gegenteil: es macht Spaß, die unterschiedlichen Untergründe zu spüren: gerade ist der Gehweg neu gemacht worden, es liegt noch überall Sand zum Füllen der Ritzen. Das fühlt sich an, als wäre ich am Strand. Und dann regnet es hier gerade ziemlich viel (wo bleibt der Sommer?): danach gibt es kleine Pfützen und feuchte Stellen. Spannend, wie sich das Gefühl unter meinen Sohlen ändert. Ich gehe achtsamer, langsamer, bewusster.

Bild: pixabay


Und warum ist das jetzt nachhaltig? Weil ich auf einer Messe im März an einem Herstellerstand von Barfuß-Schuhen vorbei gelaufen bin und danach lange überlegt habe, mir solche Schuhe zu zu legen. Aber eigentlich ist das ja Quatsch: da lauf ich doch lieber direkt barfuß und kauf mir nichts Neues. Im Zug meiner Minimalismus-Überlegungen und meiner Konsumverweigerung fühle ich mich deswegen gerade ziemlich gut. Und natürlich werde ich auch weiterhin Schuhe tragen. Heute muss ich zum Beispiel in die Stadt radeln und es regnet ohne Ende. Radfahren barfuß finde ich fies und tut mir weh, in der Innenstadt barfuß laufen ist mir zu gefährlich wegen Scherben u.ä. und bei Dauerregen werden meine Füße irgendwann kalt, das ist auch unangenehm. 

Aber morgen werde ich wieder ohne Schuhe laufen und mich darüber freuen, dass ich mich und meine Umgebung so spüren kann.

Bei #EiNab geht es diesen Monat um "Achtsamket und Wohlwollen - Nachhaltigkeit im Zen-Style" - und ich glaube, dass dieser Beitrag da gut hinpasst.

Kommentare

  1. Oh, das ist ja wirklich toll! Barfuß laufen. Komisch, warum das so eine Hürde für mich ist. Obwohl ich das Gefühl auch liebe! Vielleicht sollte ich diesen Sommer einfach mal mutiger sein.
    Vielen Dank für die Anregung - und dein Beitrag passt wie Deckel auf Topf zu meinen Eso-Überlegungen :-)
    LG Zora #Einab

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    1. Jaa, sei mutig! Es lohnt sich. Ich habe jetzt gerade gehört, dass es Überwindung kostet, weil es einfach nicht der Norm entspricht, barfuß zu laufen und weil wir kulturgeschichtlich viel dafür getan haben, dass wir endlich Schuhe tragen können. Da ist schon was dran.. auf der anderen Seite: wenn wir Normen nicht hinterfragen würden, wären wir ja nicht Teil von EiNab :-)

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  2. Hallo Anne!

    Herr Widerstand würde sich total über Deinen Beitrag freuen, er ist auch ein Barfußläufer. Das ganze Jahr, sobald es nur einigermaßen geht von der Temperatur her.

    Ich gestehe, für mich ist das eher nichts. Meine Füße sind das einfach nicht gewöhnt. Dafür laufe ich am liebsten mit flachen offenen Sandalen im Sommer. Fast wie barfuß.

    Finde ich toll, dass Du das so machst, wie es Dir Freude macht!

    Danke fürs Verlinken zu EiNaB!

    lg
    Maria

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